Die Einsamkeit des Online-Trainers vor dem Monitor

Nicht nur Trainer arbeiten einsam im Home Office vor sich hin. Auch Texter, Designer, Programmierer und andere, wenn sie nicht in einem Unternehmen angestellt sind oder mehrere Mitarbeiter haben.

Doch das ist einer der Aspekte, die Trainer mir oft im Gespräch als Einwand gegen Online-Seminare vorbringen. „Ich möchte den direkten Kontakt mit den Teilnehmer“ (darauf bin ich im letzten Beitrag schon eingegangen) und immer nur zu Hause alleine vor dem PC sitzen- nee, da fühle ich mich bestimmt einsam.“

In der Regel sind Trainer wohl kommunikative Menschen und arbeiten gerne mit anderen Menschen zusammen. Sonst hätten sie wohl den falschen Job gewählt.

Doch gibt es da natürlich viele Differenzierungen und Unterschiede.     

Heute hier, morgen dort                                  

Manche lieben es, jede Woche in einer anderen Stadt zu sein, in einem Hotel zu wohnen und wieder eine neue Gruppe Teilnehmer kennen zu lernen. Bei mir bemerke ich aber in den letzten Jahren, dass mich das überhaupt nicht mehr lockt und ich es mehr schätze, über längere Zeit und kontinuierlich mit einzelnen oder Gruppen zu arbeiten. Vor allem auf das Herumreisen und in Hotels schlafen verzichte ich ausgesprochen gerne.

Manche mögen es durchaus, zu reisen und in anderen Städten Seminare zu geben, aber nicht in solcher Häufgikeit. Sie würden es auch bevorzugen, zwischendurch eine andere Arbeit zu tun. Sei es Bücher zu schreiben, Einzelcoaching zu geben – oder eben Online-Seminare.

Denn diese ermöglichen eine andere Art von Arbeit. Nicht nur, dass sie von zu Hause aus arbeiten können. Sie können – je nach Art des Online-Seminars- auch viel intensiver und nachhaltiger mit ihren Teilnehmern arbeiten. Wenn sie nicht nur kurze Webinare geben, sondern diese mit der Arbeit in einem Forum verbinden.

Als Online-Trainer einsam zu Hause?

Was ist mit Trainern, die nur noch Online-Seminare geben? Bekommen sie nicht manchmal einen Einsamkeits-Kollaps?  Keine lebenden Menschen mehr um sich herum, keinen Small-Talk in der Frühstückspause, keine Unterhaltungen beim Mittagessen oder abends nach dem Seminar?

Wie Sie das erleben und welche Strategien Ihnen da helfen, ist sicher auch je nach Typ unterschiedlich. Daher biete ich hier eine bunte Mischung an Ideen an. Nehmen Sie es als Brainstorming, das wir gerne gemeinsam fortführen können.   

Selbsteinschätzung

Was für ein Typ sind Sie denn?

Haben Sie den ganzen Tag das Radio im Hintergrund laufen, damit es nicht so still ist? Oder genießen Sie es, wenn Sie einige Stunden konzentriert und ungestört an einer Sache arbeiten können?

Ich bin ein durchaus geselliger Mensch, nicht auf den Mund gefallen und in keiner Weise kontaktscheu. Trotzdem genieße ich es, wenn ich mal einen ganzen Tag ungestört und ohne jeglichen Termin in meinem Büro an einer Sache arbeiten kann.

Mit Radio im Hintergrund kann ich mich nicht konzentrieren, ich brauche und liebe Ruhe.

Ich treffe gerne Menschen, aber dosiert.
Von daher habe ich dieses Einsamkeitsproblem überhaupt nicht. Und wenn mir doch mal nach einer Woche Home Office die Decke auf den Kopf fallen sollte, habe ich da eine klasse Lösung gefunden ( siehe weiter unten „Coworking).

Wenn Sie also wie ich gerne alleine arbeiten, dann ist dieser Aspekt kein Problem für sie.

Sorgen Sie für Abwechslung

Wenn Sie nicht der Typ sind, der gerne tagelang alleine vor sich hin arbeitet, dann organisieren Sie sich Abwechslung.
Ich lege ja beispielsweise Coaching-Termine und Telefonate auf den Nachmittag. Dann kann ich morgens konzentriert 4-5 Stunden arbeiten und nachmittags geht’s dann in den direkten Kontakt.

Schauen Sie, welche Dosierung Ruhe und Kontakt zu Ihnen passt.

Und wenn Sie als Online-Trainer arbeiten, sind Sie ja auch in Kontakt mit Ihren Teilnehmern. Im Webinar sogar live – und ich kann Ihnen sagen: das ist genauso intensiv wie in Präsenzseminaren.

Aber auch im Forum kann es einen sehr intensiven Austausch geben, so dass ganz sicher keine Einsamkeitsgefühle auftreten.

Oder Sie treffen sich mittags mit jemandem zu Essen oder nachmittags auf einen Kaffee oder Tee. Dann wissen Sie schon am morgen:“Heute sitze ich nicht den ganzen Tag alleine hier rum, sondern treffe  zwischendurch eine Stunde XY.“

Ich habe mich auch schon zum mittäglichen Walken verabredet oder setze mich im Sommer einfach mit einem Tee vor’s Haus. Da kommt immer mal jemand vorbei.

Co-Working-Space

Dann habe ich neulich die Möglichkeit kennengelernt, für ein bestimmtes Zeitvolumen einen Platz in einem Gemeinschaftsbüro zu mieten.

Da sitzen dann noch andere Kollegen im Gr0ßraumbüro (es gibt mehrere Räume) und auch wenn da jeder so vor sich hin arbeitet, bin ich nicht alleine. Oft essen wir mittags zusammen oder halten mal ein Schwätzchen. Also eine feine Ergänzung.

Das scheint es jetzt in vielen Städten zu geben – und sogar in meiner ländlichen Umgebung.

Austausch mit Kollegen organisieren

Die Social Media sind natürlich auch eine wunderbare Möglichkeit, sich zwischendurch mal mit Kollegen auszutauschen, vielleicht auch einfach rumzualbern oder Small-Talk zu betreiben. Aber auch mal eben um Hilfe bitten oder einen Tipp einholen.

Ich finde es immer noch großartig und habe da die tollsten Erfahrungen gemacht. Es gibt aber auch Tage, da tauche ich da nirgendwo auf, weil ich einfach hoch konzentriert in einem Online-Seminar bin oder etwas ausarbeite.

Es gibt auch berufliche Foren wie beispielsweise den „Texttreff“, ein Forum für schreibende Frauen. Darin sind über 900 Frauen, die sich täglich über fachliche Themen austauschen, Fragen haben, Antworten und Unterstützung bekommen. Es gibt auch eine Ecke für persönliche Themen. Ich habe noch nie ein so intensives Forum erlebt, in dem man so viel und schnell Hilfe bekommt.  Einmal im Jahr gibt es ein langes Workshop-Wochenende, wo wir uns gegenseitig Workhops anbieten zu allen möglichen Themen.

Wer also sagt, „nee, ich sitze als Online-Trainer schon genug am PC, ich will lebende Menschen treffen“, nur zu! Aber auch da haben mir die Social Media die meisten Kontakte gebracht. Ob ich zu einem Twittagessen gegangen bin oder wir einfach nur feststellten: „Ach, wir wohnen ja ganz in der Nähe. Sollen wir uns mal zum Kaffee treffen?“ Ich habe schon unglaublich viele Menschen live getroffen, die ich erst nur aus dem Netz kannte.

So werde ich demnächst auch rumfragen, wer denn noch auf der Learntec ist – und mich dort mit bisherigen Netzbekanntschaften treffen.

Netzwerke

Es gibt zudem ja viele regionale Netzwerktreffen für Trainer von allen möglichen Vereinen und Verbänden. Früher bin ich dort oft hingegegangen, habe dort auch selbst öfter einen Workshop gegeben oder als Besucherin. Einfach, weil ich gerne noch mal die Kollegen aus der Region treffen wollte.

Auch Trainer-Kongresse, wie der Trainer-Kongress in Berlin, ist eine wunderbare Gelegenheit, Kollegen zu treffen, neue und alte. Und mich können Sie dieses Jahr dort auch wieder treffen, weil ich da einen Workshop gebe.

Ein Beispiel

Ein nettes kleines Beispiel, das ich immer wieder gerne erzähle:

Ich suchte Unterstützung dafür, dass ich es schaffe, pünktlich in die Mittagspause zu gehen. Weil ich so ein Morgenmensch bin und mich da am besten konzentrieren kann, fiel es mir schwer, um 12:30 den Schreibtisch zu verlassen. Oft arbeitete ich bis 14 oder 15 Uhr durch – und das führte dann aber zu einem hektischen Mittagessen und stressigen Nachmittag. Weil da die nächsten Termine lauerten.

Da fand sich eine Frau bei Twitter, die mir jeden Mittag pünktlich einen Tweet  für meine #PüMiPau (Abkürzung für „Pünktliche Mittagspause“) schickte mit einem flotten Spruch: „Raus aus dem Büro, Zamyat, das Gemüse wartet! #PüMiPau“ etc. Das hat mir sehr geholfen, weil ich mich da schon moralisch verpflichtet fühlte, wo sie extra an mich denkt und sich die Mühe macht, mich rauszustupsen.

Glücklich alleine im Home Office

Kurz und gut: ich fühle mich nicht einsam, wenn ich immer mehr als Online-Trainerin arbeite. Sondern genieße es ausgesprochen, wenn ich morgens beim Frühstück im Radio die Staunachrichten höre und weiß, ich muss nur die Treppe runter in mein Büro gehen.

Die Zeit, die ich für das Reisen spare, nutze ich lieber zum walken oder wandern. Ich freue mich, dass ich in meinem eigenen Bett schlafen kann und vor allem die Abende nicht in einem öden Hotelzimmer verbringen muss.

Ich kann mir bei Online-Seminaren meine Zeit so einteilen, dass sie besser meinem Rhythmus entspricht (an dem Punkt übe ich aber auch noch ;-)).

Nun purzeln mir zu Guter letzt noch verrückte Ideen im Kopf herum, dass man ja ein virutelles Cafe für Online-Trainer einrichten könnte, wo man sich mal eben zum Kaffee oder Tee trifft und ein Schätzchen hält…

Vielleicht interessieren Sie auch die  „7 Tipps für störungsfreie Webinare“ ? Die können Sie sich hier gratis holen.

 

 

 

 

 

 

 

 


Kommentare

Die Einsamkeit des Online-Trainers vor dem Monitor — 1 Kommentar

  1. Liebe Zamyat,

    ein schöner Artikel, vielen Dank. Interessante Anregungen für eine passende Struktur mit Abwechslung.

    Die Idee mit einem virtuellen Café für Online-Trainer finde ich super! Da würde ich auch mal rumkommen. 😉

    Liebe Grüße

    Stephanie 🙂

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