Gibt es einen Zusammenhang zwischen Verbindlichkeit und kostenpflichtig?

Mein voriger Beitrag „Nehmen Sie sich genügend Zeit für eine Online-Fortbildung?“ richtete sich an Sie als Teilnehmer.

Hier nun geht es um die Perspektive als Online-Trainer. Und die Frage, was können Sie tun, damit sich Ihre Teilnehmer wirklich die notwendige Zeit für die Fortbildung nehmen und aktiv mitmachen.

Auch hier gehe ich wieder gesondert auf Webinare (Live-Online-Seminare) und die Arbeit im Forum ein.

Live-Online-Seminare (Webinare)

Wenn Sie schon einige Webinare gehalten haben, dass kennen Sie das sicher auch:

Manche Teilnehmer kommen zu spät, andere müssen früher weg, manche tauchen erst gar nicht auf.

Wie viele nebenher noch ganz andere Dinge tun, bekommen Sie als Trainer auch nicht unbedingt mit, vor allem, wenn sie nicht viele interaktive Übungen machen, wo sich die Teilnehmer beteiligen.

In einem Webinar bekommt der Trainer lediglich mit, ob sich ein Teilnehmer eingeloggt hat oder nicht. Bei interaktiven Übungen merkt er natürlich auch, ob der Teilnehmer überhaupt noch da ist und sich beteiligt oder nicht.

Deshalb gibt es eine Vereinbarung, dass Teilnehmer mit einem Icon mitteilen, wenn sie mal zwischendurch verschwinden müssen. Sei es, dass es an der Tür klingelt und ein Paket abgegeben wird oder was auch immer.
Das kann eine Kaffeetasse sein oder ein anderes Zeichen, das ist je nach Webinarplattform verschieden.

Das ist dann hilfreich, wenn man im Webinar zum Beispiel eine Runde macht und x-mal vergeblich einen Teilnehmer anspricht und sich wundert, wenn er nicht antwortet. Ich komme mir dann jedenfalls immer sehr merkwürdig vor: „Frau Schmitz, können Sie bitte kurz mal rückmelden, ob Sie mich hören??“

3 Varianten von Abwesenheit und eine Anwesenheit

Gar nicht kommen

Man sollte meinen, wenn sich jemand zu einem Webinar von 60 – 90 Minuten anmeldet, dass er sich die Zeit dann im Terminkalender blockiert.
Bei den meisten Webinarplattformen bekommt man auch immer noch mal eine Erinnerungsmail. Von daher dürfte die Gefahr, es zu vergessen, eher gering sein.

Doch auch das passiert oft. Nämlich dann, wenn sich Teilnehmer mal wieder zu einem (wahrscheinlich  kostenlosen) Webinar angemeldet haben, weil sie flüchtig dachten: „Ach, das könnte ja interessant sein. Da schau ich mal“. „Wenn ich nichts besseres zu tun habe“, müsste dann eigentlich noch ergänzt werden.

Denn ist es dann so weit, hat so jemand den Termin oft vergessen oder doch was anderes vor oder die Sonne scheint so schön….

Nicht wirklich anwesend sein

Dann gibt es noch viele, die zwar an den Termin denken und sich auch einloggen, aber nicht wirklich dabei sind. Nebenher mal die E-Mails checken, bei Facebook daddeln, vielleicht auch schon zeitgleich bei Twitter einen Tweet ablassen, dass das ja wieder mal ein langweiliges Webinar ist – oder nebenher mit dem Kind beschäftigen oder was auch immer.
Die sich somit selbst vielleicht einreden, dass sie ja was für ihre Fortbildung tun- sich aber nicht wirklich engagieren. Weder zeitlich noch geistig.

Sie werden dann nicht viel davon profitieren.

Passiv anwesend

Dann gibt es einige, die dabei sind, auch nichts anderes nebenher machen, sich aber nicht zeigen. Weder in schriftlichen noch in mündlichen Beiträgen, wenn sie dazu aufgefordert werden. Die sich vielleicht auch unter einem anderen Namen anonym einloggen und einfach nur „schauen“ wollen.
Ich habe keine Ahnung, was sich dahinter verbirgt. Befürchten sie wirklich irgendwas? Dass ihnen etwas passiert? Soll niemand mitbekommen, dass sie sich für das Thema interessieren? Oder wollen sie nur schauen, wie andere das machen und vielleicht Ideen klauen? Ich weiß es nicht, finde es auf jeden Fall sehr merkwürdig.

Teilnehmer

Das ist nun die Gruppe, um die es eigentlich geht. Jemand hat Interesse an einem Thema, möchte dazu etwas lernen und meldet sich bewusst zu einem Live-Online-Seminar an. Er nimmt teil mit voller Konzentration, beteiligt sich an Übungen und Aufgaben und Interaktionen und nimmt so viel wie möglich für sich daraus mit. Er stellt Fragen und stellt Verbindungen zu seinen eigenen Themen her, so dass er vom Seminar profitiert.

Und Sie?

Wenn Sie mal kurz in die Teilnehmer-Rolle schlüpfen (denn auch Trainer besuchen ja Fortbildungen):

Bei welchem Typ finden Sie sich am ehesten wieder? Prüfen Sie genau: Was ist Ihr Interesse am Thema? Haben Sie zu der anberaumten Zeit wirklich Zeit und auch den Kopf frei? Oder ist es Ihre Mittagspause, die Sie dringend brauchen?

Bezahlte oder unbezahlte Webinare

Ich denke mal, die ersten drei Teilnehmer-Varianten findet man eher bei kostenlosen Webinaren. Doch nicht nur. Es gibt auch Menschen, die für ein Online-Seminar bezahlen und trotzdem nicht das Optimale für sich rausholen.

Weil sie unbewusst einem Irrtum aufsitzen.

Der Irrtum lautet: „Ich habe mich zu dem Seminar angemeldet- und damit werden die Inhalte mir automatisch intravenös zugänglich gemacht“ – oder so ähnlich.

Ich habe es einmal in einem Zeitmanagement-Seminar (sogar in einem Forum) erlebt, dass sich einer angemeldet hat, aber so gut wie keine Aufgabe und Übung gemacht hat. Dann auch irgendwann spurlos verschwand. Der hatte ganz sicher nichts an Inhalten und Anregungen mitgenommen – wie auch. Wobei mir einfällt: er war von seinem Chef geschickt worden!

Grundsätzlich denke ich, sind die Chancen bei kostenpflichtigen Online-Seminaren größer, dass Teilnehmer es ernst nehmen und wirklich mitarbeiten. Und nur so auch davon profitieren können.

 

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