Konktakt zu Teilnehmern in Präsenz- und Online-Seminaren – welche Unterschiede gibt es?

Kontakt in Präsenzseminaren

Auf den ersten Blick erscheint es logisch, dass ich als Trainerin in einem Präsenzseminar einen intensiveren und direkteren Kontakt zu Teilnehmern habe. Aber stimmt das wirklich?

In einem Präsenzseminar sehe ich die Teilnehmer natürlich live und in Farbe und in voller Größe. Wenn wir in einem Stuhkreis sitzen, wie in meinen Seminaren üblich, Methoden und Spiele miteinander machen und uns viel im Raum bewegen, bekomme ich natürlich einen Eindruck von meinen Teilnehmern.

Es gibt Phasen, wo ich vielleicht mehr Input gebe und die Teilnehmer mehr passiv sind und zuhören, in anderen Phasen erarbeiten sie in Gruppen oder Paaren bestimmte Aufgaben. Wir tauschen uns in der Gesamtgruppe aus, diskutieren und reden mit einander. Es gibt Blitzlichtrunden, wo ich mitbekomme, wie die Teilnehmer in den Tag starten oder den Seminartag beenden usw.

Ich kann mich mit den Teilnehmern in den Kaffeepausen und beim Mittagessen unterhalten und vielleicht unternehmen wir auch abends noch gemeinsam etwas. Das ist je nach Gruppe sehr unterschiedlich.

Ich muss gestehen, dass ich nach 37 Jahren Trainertätigkeit die Teilnehmer trotzdem relativ schnell vergesse. Auch wenn wir nette und anregende Gespräche hatten. Es ist einfach zu viel an Eindrücken und Begegnungen.

Nun ist ein Vorbehalt gegen Online-Seminaren genau der, dass man da als Trainer keinen direkten Kontakt zu den Teilnehmern hat.

Aber stimmt das so?
Meine Erfahrung ist jedenfalls eine völlig andere, weshalb ich mich ja bei meinem allerersten Online-Seminar, das ich als Teilnehmerin besuchte, sofort als Online-Trainerin bewarb. Weil ich vor allem über den Kontakt mit den anderen Teilnehmern so begeistert war.

Kontakt zu Teilnehmern in Online-Seminaren

Hier muss man natürlich wie immer unterscheiden zwischen Webinaren, also Live-Online-Seminaren und der Arbeit in einem Forum. Der Kontakt zu den Teilnehmern gestaltet sich da sehr unterschiedlich. Wobei er keinesfalls in Webinaren automatisch intensiver ist, wie mancher vielleicht denkt.

Kontakt im Webinar

In einem Webinar können Sie miteinander sprechen und gemeinsame Übungen und sogar Spiele machen. Sie sehen die Teilnehmer zwar nur über die Webcam oder sogar nur ein Foto, aber sie können miteinander kommunizieren und sich austauschen wie in einem Präsenzseminar.

Wobei das in den meisten Webinaren nicht einmal so genutzt wird, sondern sich die Kommunikation oft auf den Chat beschränkt und die Trainer ihren Vortrag halten.

Doch wir schauen uns als Beispiel Live-Online-Seminare an, in denen nicht nur der Trainer etwas vermittelt, sondern eine gute methodisch-didaktische Planung für eine ausreichende Teilnehmer-Aktivierung sorgt.

Sie können in der ganzen Gruppe diskutieren (wobei der Trainer hier noch geschickter moderieren muss als in einem Präsenzseminar, aber dazu gibt es einfache Methoden), Sie können Methoden einsetzen, wo die Teilnehmer reihum etwas sagen und anderes mehr.

Viele Methoden aus Präsenzseminaren können Sie sogar 1:1 umsetzen, wie eben ein Blitzlicht zum Einstieg, eine Kennenlernrunde (möglichst mit einer kreativen Methode!), eine Auswertungsrunde etc.

Es findet auch sehr viel Kommunikation im Chat statt, vor allem der Teilnehmer untereinander. In Webinaren, wo der Trainer einen Monolog hält, erlebe ich oft, wie sich die Teilnehmer parallel im Chat unterhalten, Kommentare abgeben, Fragen stellen, die dann vielleicht am Ende des Webinars beantwortet werden.
Das ist jetzt aber keine optimale Form, ich wollte sie nur der Vollständigkeit halber erwähnen.

Kontakt in einem Forum

In einem Forum können Sie natürlich nicht live mit Ihren Teilnehmern sprechen, aber es kann ein sehr reger Austausch stattfinden. Und – das wird manche überraschen- er ist in der Regel viel intensiver als in einem Präsenzseminar.

Wie kann das sein?

Früher habe ich beispielsweise zweitägige Präsenzseminare für Trainer gemacht mit dem Thema „Kreative Seminarmethoden“. Da gab es ein Feuerwerk von Methoden, die wir natürlich auch gemeinsam machten und anschließend gingen die Teilnehmer nach Hause. Setzten einiges um, anderes nicht. In der Regel habe ich es auch nie erfahren. Bei Fragen, die vielleicht später in der Praxis auftauchten,  standen die Teilnehmer alleine da, es sei denn, sie hätten mir eine E-Mail geschickt. Das machen aber äußert wenige.

In einem Online-Seminar kann ich in einem anderen Rhythmus arbeiten. Da stehe ich den Teilnehmern länger zur Verfügung und sie erhalten den Input schrittweise über Tage oder Wochen verteilt.

Ein anderes Beispiel ist das Thema Zeitmanagement. Statt in zwei Tagen den Teilnehmern 20 Tools zu vermitteln, von denen sie anschließend vielleicht drei umsetzen und dann zwei wieder vergessen, kann ich das Online-Seminar über 14 Tage laufen lassen.

Jeden Tag bekommen die Teilnehmer ein Tool, ein kleines Häppchen, das sie sofort in ihrem realen Arbeitsalltag ausprobieren können. Sie können sofort im Forum nachfragen, wenn was nicht klappt und ich kann Alternativen und Tipps geben. So können sie nach und nach die Tools kennenlernen und sofort den Transfer vornehmen. Testen, welche Tools für sie geeignet sind und welche nicht. Bei Unklarheiten sofort nachfragen und nachbessern.

Ich bin daher in so einem Online-Seminar in einem Forum viel intensiver in Kontakt mit meinen Teilnehmern als das in einem zweitägigen Präsenzseminar überhaupt möglich wäre. Und ich kann sie beim Transfer begleiten und sie dabei direkt unterstützen.

Das macht so ein Seminar natürlich sehr viel effektiver als ein Präsenzseminar. Und daher biete ich das Thema Zeitmanagement auch nur noch online an, da es mir bei dem Thema eben sehr viel effektiver und nützlicher erscheint.

Trainer-Seite

Eine solch intensive Begleitung erfordert natürlich auch eine dauerhafte Präsenz des Trainers. Die Gruppe darf auch nicht zu groß sein, damit Sie alle Beiträge lesen und da wo notwendig beantworten können.

Ich erlebe immer wieder, dass mich dieser intensive Austausch aber viel mehr befriedigt als die Arbeit in einem Präsenzseminar. Ich kann mit einzelnen Teilnehmern in die Tiefe gehen, auf ihre konkrete Situation eingehen, an ihrem konkreten Seminarkonzept arbeiten. Das ist in einem Präsenzseminar so nicht möglich.
Und in diesem regen Austausch entstehen oft neue Ideen und neue Methoden, die wir quasi gemeinsam entwickeln. Es finden auch rege Diskussionen statt, denn natürlich sind nicht immer alle einer Meinung.

Die einen finden Mind Maps genial, andere chaotisch – und schon stelle ich alle möglichen Beispiele ein aus ganz anderen Zusammenhängen, um das Thema mal eben dazwischen zu schieben.

Das ist noch ein Zusatzeffekt: ich habe natürlich Zugang zu viel mehr Ressourcen als in einem Präsenzseminar. Ich kann flexibel weitere Übungen oder Beispiele einstellen, die einem Teilnehmer gerade helfen.

Teilnehmer-Seite

Die Teilnehmer unterscheiden sich nicht nur durch Lerntypen, sondern auch in ihrem Kommunikationsverhalten und –bedürfnis. Während die einen bei Diskussionen gerne im Mittelpunkt stehen oder Wortführer sind, sind andere bei Diskussionen eher zurück haltend.
Sie blühen aber vielleicht im Forum auf. Da haben sie Zeit, die Texte zu lesen, in Ruhe drüber nachzudenken, ihre Gedanken aufzuschreiben – und sie dann erst zu veröffentlichen. Das ist vor allem für visuelle Lerner wichtig.

Die Teilnehmer können in ihrem persönlichen Rhythmus lernen und arbeiten. Sie können frei wählen, wann sie was machen und ob überhaupt. Das kommt wiederum dem Kinästheten sehr entgegen, der gerne unabhängig ist und selber wählen möchte.

Die Teilnehmer kommen oft auch untereinander sehr rege in Kontakt, gegen sich gegenseitig Tipps und Anregungen, lernen sich viel intensiver kennen als in Präsenzseminaren. Das wird auch durch Kennenlernmethoden gefördert, die ich am ersten Tag ins Forum stelle. Da kann man dann immer wieder mal nachschauen: „Was machte die Karin noch mal? Wo wohnt der Peter?“

Gerade in meinem aktuell laufenden Online-Seminar „Kreativer Jahreswechsel“ erlebe ich es wieder, dass sich Teilnehmer auch für die Zeit nach dem Seminar verabreden, ihrer Facebookdaten austauschen, weil sie in Kontakt bleiben möchten.

Mein persönliches Fazit

Ich erlebe den Kontakt zu meinen Teilnehmern in Online-Seminaren intensiver als in Präsenzseminaren. Das mag auch an der längeren Seminardauer liegen, aber nicht nur. Es liegt daran, dass es zumindest im Forum mehr die Form eines 1 zu 1 Coachings hat und das finde ich persönlich sehr erfüllend. Ich bekomme einfach viel mehr mit, was die Teilnehmer mitnehmen und umsetzen und kann sie dabei begleiten.


Kommentare

Konktakt zu Teilnehmern in Präsenz- und Online-Seminaren – welche Unterschiede gibt es? — 1 Kommentar

  1. Liebe Zamyat,

    ich teile deine Einschätzung.
    Auch für mich ist der Kontakt in meinen Webinaren sehr viel intensiver als üblicherweise in Präsenzveranstaltungen. Meine Webinare sind in der Regel kostenfrei und dienen mir in erster Linien dazu, mich und meine Arbeit Interessenten vorzustellen, wie ich so ticke und dabei auch schon viel Mehrwert zu vermitteln. Das funktioniert sehr gut und viele meiner Webinar „fans“ sind inzwischen auch zu Klientinnen geworden. Unter energetischem Coaching können sich ja viele nichts vorstellen und so lernen sie es im Webinar kennen und oft ist der Kontakt dann sehr intensiv.
    Liebe Zamyat, ich wünsche dir ein tolles 2017 mit vielen emphatischen Teilnehmern, stetigem (Geld und Ideen-)Fluss ohne Riesenanstrengung und bleib gesund!

    alles Liebe
    Barbara

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

15 − 9 =