Nehmen Sie sich genug Zeit für eine Fortbildung?

Wenn Sie ein zweitägiges Präsenzseminar buchen, dann reservieren Sie sich selbstverständlich die zwei Tage Zeit dafür und vielleicht noch einige Stunden am Vortag für die Anreise. Das ist überhaupt keine Frage.

Doch bei Online-Seminaren sieht das oft anders aus.

Live-Online-Seminar oder Webinar

Wenn es sich um ein Live-Online-Seminar (oder Webinar) handelt,  werden Sie sich meist auch die 60 oder 90 Minuten blockieren, um alles mitzubekommen.
Doch da gibt es schon unzählige Varianten, wie Sie Ihre Teilnahme daran einschränken und behindern können. (Auf ein Online-Seminar im Forum gehe ich später ein).

Zu spät kommen

Vielleicht sind Sie auch schon mal zu spät reingehechtet. Weil Sie doch erst in letzter Minute die E-Mail mit den Informationen rausgekramt haben, sich dann ja doch noch einloggen mussten, bei manchen Plattformen dauert es auch ein bisschen, ehe Sie wirklich im Webinar-Raum landen. Oder Sie müssen noch den Flash-Player aktualisieren oder einen Systemcheck machen oder was auch immer.
Das stand zwar auch alles in der Einladungs- oder Erinnerungs-E-Mail, die Sie aber nur überflogen haben.

So haben Sie vielleicht den Einstieg verpasst.

Früher gehen

Vielleicht sind Sie auch schon mal früher gegangen- das fällt ja bei einem Webinar nicht auf- meinen Sie. Bei einem Präsenzseminar müsste schon viel passieren, ehe jemand einfach früher rausgeht, weil er noch einen anderen Termin dahinter gequetscht hat. Zumindest würde er den Trainer vorher darüber informieren. Bei Webinaren ist das nicht immer so.

Doch auch hier sind gewisse Höflichkeitsregeln angemessen. Ich jedenfalls freue mich immer, wenn ein Teilnehmer schon am Anfang in den Chat schreibt oder sagt: Ich muss leider 10 Minuten vorher gehen.
Dann weiß ich Bescheid und gut ist es. Wenn auch schade. Denn viele Trainer packen gerne ein Highligt ans Ende, weil ja nach der Lernpsychologie Dinge vom Anfang und Ende besonders gut im Gedächtnis bleiben.

Sich selbst tun Sie damit aber auch keinen Gefallen.

Wenn Sie zu spät kommen, verpassen Sie was und brauchen dann noch Zeit, um wieder vom Stresslevel runterzukommen und sich wirklich konzentrieren zu können. Oft gibt es am Anfang einen Überblick, wo Sie erfahren, worum es im Webinar geht und welche Themen besprochen werden.

Wenn Sie am Ende noch einen anderen Termin haben, werden Sie auch öfter auf die Uhr schauen. Hoffen, dass dies und das noch vor Ihrem Verschwinden angesprochen wird. Auf jeden Fall ist es nicht förderlich für ein konzentriertes und gleichzeitig Entspanntes Erleben und Mitmachen.

Forum

Bei asynchronen Formen, also die Arbeit in einem Forum, sieht es noch einmal anders aus.
Da steht es den Teilnehmern ja frei, wann sie dort arbeiten. Das ist einer der Vorteile von Online-Lernen, kann aber auch gleichzeitig einer der Nachteile sein.

Denn schnell nimmt man noch eine andere Aufgabe dazwischen, doch noch einen Seminarauftrag (sind ja nur zwei Tage) oder private Dinge halten einen davon ab. Und ehe Sie sich versehen, ist das Seminar vorbei und Sie haben nicht das optimale daraus gewonnen.
Und denken dann womöglich noch (wenn Sie nicht sehr selbstkritisch sind), Online-Seminare bringen’s eben nicht.

Eigenverantwortung und Selbstdisziplin

In Online-Seminaren wird Ihre Selbstdisziplin und Eigenverantwortung sehr viel mehr gefragt als in einem Präsenzseminar. Wenn Sie in einem Präsenzseminar angemeldet sind, können Sie sich kaum der Mitarbeit entziehen. Es sei denn, Sie sind ein wirklich sturer Hund, der die Arme verschränkt und sich zurücklehnt und sagt: „Macht ihr mal, ich schau nur zu.“ Das habe ich aber in 36 Jahren noch nie erlebt.

In einem Online-Seminar sieht das anders aus. Da ist keine unmittelbare Kontrolle und Sie können scheinbar unbemerkt kommen und gehen, wann Sie wollen oder ganz fernbleiben.

Hier ist von Ihnen als Teilnehmer mehr Disziplin oder auch nur vernünftige Organsation gefragt. Sie sollten sich von vorneherein feste Zeiten blockieren, und zwar möglichst immer ein-zwei Stunden am Stück, sonst kommen Sie nicht weit.
Lesen Sie vor allem die Seminarausschreibung gründlich durch, oft steht dort, mit wieviel Arbeitszeit Sie rechnen können. Wenn Sie dort nichts finden, fragen Sie den Trainer per E-Mail nach. Und schauen Sie dann, ob es für Sie realistisch ist.

„Ach, das mach ich abends noch nach der Arbeit“, ist meist keine gute Option. Ich habe zwar gerade in meiner Online-Trainer-Ausbildung schon alle Modelle erlebt. Von einem Früharbeiter (täglich morgens von 6:00-8:00 Uhr vor der Arbeit) und Nachtarbeitern. Aber in der Regel ist es nicht empfehlenswert, zu einem normalen Arbeitstag noch eine Online-Fortbildung zu quetschen. Sie tun sich damit keinen Gefallen.

Nicht nur, dass es anstrengend wird. Sie haben einfach mehr davon, wenn Sie nicht nur für Ihre eigenen Aufgaben ausreichend Zeit haben, sondern auch noch Zeit für den Austausch mit den anderen Teilnehmern. Das ist nämlich ein großer Gewinn von Online-Seminaren in einem Forum. Da kommen so interessante Menschen und Kollegen zusammen, die ja auch alle über einen großen Erfahrungsschatz verfügen, von dem alle profotieren können.

Überprüfen Sie Ihre Motivation

Daher empfehle ich Ihnen sehr: Bevor Sie sich zu einem Online-Seminar anmelden, schauen Sie auch, warum. Was ist Ihr Interesse und was wollen Sie später damit machen?

Denke Sie nur: „Ach ja, das könnte interessant sein?“ oder hingegen: „Ich will auf jeden Fall auch lernen, wie man Online-Seminare macht und Ende des Jahres damit starten!“?  Oder was auch immer das Thema des Seminars ist.

Dann sollten Sie sich auch die nötige Zeit dafür reservieren und es wirklich ernst nehmen.

Die Rückmeldung meiner Teilnehmer war auch immer die gleiche. Diejenigen, die sich die Zeit komplett freigeschaufelt hatten, haben nicht nur sehr viel gelernt und mitgenommen, sondern auch sehr viel Spaß an der Arbeit gehabt. Viel ausprobieren und üben können, ausführlich mit mir und den anderen in den Dialog treten können, das machte einfach zusätzliche Freude.

Diejenigen, die dann oft doch nicht so viel Zeit hatten, fanden das sehr schade und haben daraus gelernt, das bei zukünftigen Seminaren anders zu managen.

Natürlich kann man auch vieles nacharbeiten, sie haben ja genügend Unterlagen. Doch wer macht das dann wirklich nachher alleine?

Was ist Ihr Ziel? Was wollen Sie am Ende können?

Nehmen wir noch mal das Beispiel der Online-Trainer-Ausbildung.
Wenn Sie nur erst mal testen wollen, ob das überhaupt was für Sie wäre, dann könnte so eine Nebenbei- Fortbildung vielleicht ausreichend sein? Doch selbst das ist ein Trugschluss. Wenn Sie nicht wirklich mitmachen, fehlen Ihnen eben genau die Erfahrungen, die man als Teilnehmer macht. Als Zuschauer ist man außen vor und blendet vieles aus.

Wenn Sie aber anschließend ein fertiges Online-Seminarkonzept entwickelt haben möchten oder eine Sprache nutzen können oder Ihr Zeitmanagement verbessert haben oder eine tolle Jahresplanung haben wollen– dann müssen Sie sich eben auch die Zeit reservieren, in der Sie das lernen können. L

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