Wie bekommen Sie Teilnehmer dazu, in Webinaren etwas zu sagen, ohne als Oberlehrerin aufzutreten?

Es ist natürlich ein Unterschied, ob Sie ein öffentliches Informations-Webinar mit 100 Teilnehmern oder mehr durchführen oder ein richtiges Seminar oder Training mit maximal 12 Teilnehmern. Doch selbst bei 100 Teilnehmern können ja einzelne sich auch sprechend beteiligen, eine Frage stellen oder als Beispiel-Teilnehmer eine Übung mitmachen – freiwillig.

Im Folgenden beziehe ich mich aber vor allem auf Webinare oder Live-Online-Seminare, in denen Sie mit einer überschaubaren Gruppe Menschen an Themen arbeiten. Wie können Sie die Teilnehmer dazu bewegen, zu sprechen, ohne wie in der Schule früher die einzelnen mit Namen aufzurufen und zu sagen: „So, Frau Müller, was meinen Sie dazu?“

Das hatte schon in der Schule eine Schockwirkung auf mich. Selbst wenn ich es vorher noch gewusst hatte, nun war es weg. Das ist also nicht der geschickteste Weg.

Ich kenne einige Kolleginnen, die ihre Teilnehmer in Webinaren nicht sprechen lassen, weil sie den Eindruck haben, dass die das nicht mögen.
Ich selbst habe die Erfahrung in den letzten Jahren noch nicht gemacht, jedenfalls nicht in meinen gebuchten Seminaren.
Aber auch bei öffentlichen kostenlosen Webinaren gab es immer Teilnehmer, die gerne auch ihr Mikro freischalteten und bei einer Methode aktiv mitmachen wollten.

Einige Anregungen

Von Anfang an machen

Wenn Sie mehrere Webinare hintereinander mit einer Gruppe durchführen (wie ich beispielsweise bei der Online-Trainer-Ausbildung) fangen Sie gleich im 1. Webinar damit an.

Nach einigen einführenden Worten, der Agenda und meiner Vorstellung starte ich sofort mit Kennenlern-Übungen. Zuerst müssen die Teilnehmer nur etwas mit dem Pointer zeigen oder ankreuzen, aber eben alle.

Dann kommt eine zweite Übung, in der alle reihum sprechen. Sie wählen beispielsweise einen Gegenstand von einem Foto aus und erläutern, was der mit ihnen zu tun hat.

 

Nur ein Wort oder nur einen Satz

Wenn Sie den Eindruck haben, dass es tatsächlich Ängste gibt, im Webinar zu sprechen, können Sie mit einer ganz winzigen Sache anfangen. So dass Sie einfach nur mal jede Stimme hören.

Beispielsweise im Zusammenhang mit der Landkarte, wo jeder Teilnehmer mit dem Pointer zeigt, wo er gerade ist. Zusätzlich bitten Sie die Teilnehmer, zu sagen wo Sie wohnen. Das ist ja keine schwierige Aufgabe, nur einen Städtenamen zu sagen oder einen Satz: „ich wohne in Lohmar.“
Aber die Teilnehmer haben einmal das Mikro freigeschaltet und gesprochen – und verlieren dadurch vielleicht schon etwas die Hemmungen.

Ich wohne in Kiel

 

Blitzlicht- Runden

Wie auch in Präsenzseminaren ist das Blitzlicht eine wunderbare Methode, um von jedem Mal die Stimme zu hören und auch mitzubekommen, wo die Teilnehmer gerade sind und wie es ihnen geht.

Sie können auch das stressfrei gestalten, indem Sie ganz klare Vorgaben machen, eine ganz konkrete Frage stellen und die Teilnehmer bitten, einen Satz dazu zu sagen (oder zwei).

Es gibt da sehr schöne unterschiedliche Methoden zum Einstieg, ein Blick aus dem Fenster (was sehen Sie gerade), welche Farbe passt zu meiner aktuellen Stimmung oder ein Wetter-Blitzlicht oder ähnliches.
Das ist konkret, spielerisch und die Teilnehmer müssen keine langen Ergüsse von sich geben.

Spielerische Übungen

Ich mache zwischendurch immer sogenannte Energizer, kleine Spiele zur Konzentration und zum Wachwerden. Das können unter anderem auch Sprachspiele sein, wo jeder nacheinander ein Wort sagt, aus dem ein Satz werden soll.

Oder eine Art Wiederholungsübung (Perlenkette), wo ein Arbeitsablauf mit fester Reihenfolge nach und nach beschrieben wird, indem jeder Teilnehmer einen Schritt nennt. Sie können die Teilnehmer in der Reihenfolge der für allen sichtbaren Teilnehmerliste sprechen lassen oder eine Folie vorbereiten, indem Sie die Namen der Teilnehmer in einer Liste oder einer Runde, einem Mind Map aufgeführt haben, so dass jeder weiß, wann er dran ist.

Gruppenarbeit

Den meisten Teilnehmern fällt es ganz leicht, in Gruppen zu sprechen. Manche Webinar-Plattformen haben Gruppenräume (wie Adobe Connect), wo die Teilnehmer in kleinen Gruppen und ohne Trainer arbeiten und sprechen können. Da sehe ich am Ausschlag der Mikrofonsymbole, wie das Geschnatter losgeht, sowie sie unter sich sind 🙂 .

Zufallsprinzip

Etwas „stressiger“ ist die Variante, wo die Teilnehmer zufällig einer Frage zugeordnet werden, denn das hat einen ähnlichen Überraschungseffekt wie das unvermittelte Aufrufen durch die Lehrerin in der Schule.
Aber wenn Gruppen schon länger zusammen arbeiten, ist auch das kein Problem, sondern weckt alle auf 😀 .
Sie haben beispielsweise auf der linken Seite Themen stehen, zu denen die Teilnehmer etwas sagen sollen und auf der rechten Seite Zahlen.
Nun werden die Themen jeweils mit einer Zahl verbunden, am besten durch einen Teilnehmer, und erst danach zeigen Sie auf der nächsten Folie, welche Zahl zu welchem Teilnehmer gehört. Der dann die entsprechende Erläuterung von sich geben soll.

Durch das Hin- und Herklicken der Folien bleibt aber genug Zeit, dass sich der erste vom Schock erholen kann und die anderen haben genug Zeit, sich seelisch darauf vorzubereiten.

Was weniger gut funktioniert

Gibt es noch Fragen?

Das kennen Sie auch aus Präsenzseminaren, dass eine so offene und allgemein Frage nach Fragen oft nicht viel bringt. Oder doch nur die Vielredner in den Ring ruft.
Auch hier ist es natürlich ein Unterschied, ob es eine bekannte oder offene Gruppe ist. In einer monatelangen Ausbildung kann es schon Sinn machen, gegen Ende des Webinars den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, noch offene Fragen zu stellen.

Sogenannte „Lehrerfragen“

Auch wenn vielen Teilnehmern es oft gar nicht bewusst ist, warum sie sich bei solchen Fragen schlecht fühlen, vermeiden sie es. Es bringt Teilnehmer in eine doofe Position, sie fühlen sich wie Kinder behandelt oder geraten unter Stress, wenn sie unsicher sind, ob sie die Frage richtig beantworten können.

Sogenannte Lehrerfragen (im negativen Sinne) sind Fragen, die nur eine ganz konkrete, wortwörtliche Antwort als richtig erwarten und bewerten.

Es sind aber auch rhetorische Fragen oder Suggestivfragen. Die kommen einfach nicht gut (auch wenn sie in Marketing- und Werbe-Webinaren oft eingesetzt werden). „Sie wollen doch sicher auch, dass…“.

Selbst bei einer scheinbar offenen Frage, wie: „Welche Erfahrungen haben Sie denn mit …. gemacht?“ kann es schräg daherkommen, wenn klar wird, dass Sie auf etwas ganz Bestimmtes hinauswollen und die Antwort innerlich einsortieren in „passt“ oder „ne, darum geht es mir jetzt gerade nicht“. Das hat also auch mit Ihrer inneren Haltung und Ihrem Konzept zu tun.

Bei offenen Fragen sollten Sie immer auch wirklich offen sein und mit Neugier zuhören, was Ihre Teilnehmer dazu meinen.

Darauf bestehen

Es kann vielleicht einmal vorkommen, dass eine Teilnehmerin auch bei einer sehr lockeren und spielerischen Herangehensweise nicht sprechen möchte. Dann ist es sicher ungünstig, darauf zu bestehen. Zumindest in einem offenen Seminar würde ich diese Übungen immer als Vorschlag anbieten und die Teilnehmer einladen, sich zu beteiligen. Auch ruhig einen kleinen Schubs geben und noch mal nachfragen: „Na, möchte nicht doch noch jemand…“. Aber wenn dann nichts kommt, dann freundlich weitergehen.

In einer Trainer-Ausbildung erwarte ich aber natürlich, dass Teilnehmer die Methoden mitmachen und auch sprechen. Sonst werden sie später kaum selbst gute Online-Seminare halten können. Aber da gab es auch noch nie ein Problem. Im Gegenteil, finden die Teilnehmer es immer toll, als Ergänzung zu der Arbeit im Forum, wo wir nur schriftlich miteinander kommunizieren, im Webinar mal live mit allen austauschen zu können.

Also, viel Freude mit „geschwätzigen“ Teilnehmern


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